IRONMAN World Championship auf Hawaii 2010
(3,8km Schwimmen / 180 km Rad / 42,195km Run)
Der große Tag beginnt mit dem Body-Marking um 4:45 Uhr.
Anschließend nochmal in der Wechselzone das Rad überprüfen, Flaschen deponieren, Sonnencreme auftragen und dann langsam auf den Start vorbereiten. Kaum sind die Profis gestartet geht es auch für die Amateure / Age-Grouper ins Wasser. An der Startlinie wird es ziemlich eng und schon vor dem Start gibt es immer wieder Körperkontakt mit anderen Athleten.
Als endlich pünktlich um 7 Uhr der Startschuss fällt, beginnt auf den ersten hundert Metern eine ziemlich wüste Keilerei und ich muss zwischendurch zweimal kurz anhalten um die Schwimmbrille wieder zurechtzurücken, respektive um nach einem Fusstritt in den Bauch tief Luft zu holen. Erst im Lauf der Zeit lichten sich die Reihen etwas und man kann vernünftig schwimmen. Im Vergleich zu anderen Jahren hat es ziemlich viel Strömung und einen relativ hohen Wellengang. Seit diesem Jahr gehören die Schwimmanzüge der Vergangenheit an und sind nicht mehr erlaubt.
Aufgrund der schwierigen Bedingungen komme ich nach 1h08min aus dem Wasser. Dies bedeutet einen Rang im Mittelfeld unter den rund 1900 gestarteten Athleten. Ich bin mit meiner Schwimmleistung durchaus zufrieden wenn man bedenkt, dass ich erst seit ca. 1 Jahr regelmässiges Schwimmtraining absolviere.

Auf dem Rad: 180km in rund 5h bei grosser Hitze und permanentem Gegenwind
Der Wechsel aufs Rad gelingt mir sehr gut. Ich finde schnell in den Rhythmus und kann von Beginn weg meine angestrebte Pace fahren. Die Bedingungen auf dem Rad sind wie in anderen Jahren sehr schwierig. Die grosse Hitze sowie der permanente Gegenwind machen uns Athleten zu schaffen. Dennoch gelingt es mir relativ locker den Wendepunkt in Hawi zu passieren. Anschliessend geht es die gleiche Strecke zurück um wieder an den Ausgangspunkt auf den Pier in Kona zu gelangen. Ich will unter keinen Umständen meine Beine kaputt fahren. Ich dossiere meine Radleistung geschickt und kann in rund 5 Stunden die 180 km im Gegenwind absolvieren.
Trotz der zurückhaltenden Fahrweise auf dem Rad kann ich in der Overall-Gesamtwertung unter die Top 300 fahren. Nach dem Schwimm- und Radsplit fühle ich mich noch immer sehr gut. Die Beine sind noch kraftvoll und die Motivation für den abschliessenden Marathon ist hoch. Ich habe das Rennen bis zu diesem Zeitpunkt sehr clever eingeteilt und alles verläuft nach Plan.
Dementsprechend gehe ich den Marathon motiviert aber gleichzeitig auch vernünftig an. Ich will sofort in den Lauf-Rhythmus kommen. Auf den ersten 5 Kilometern läuft es bei mir ausgezeichnet. Dann plötzlich und wie aus heiterem Himmel bekomme ich heftige Magenkrämpfe. Ich reduziere mein Tempo und bin überzeugt, dass die Magenkrämpfe in Kürze wieder der Vergangenheit angehören. Leider ist dem nicht so und so quäle ich mich regelrecht über die Marathondistanz. Das angestrebte Ziel, den abschliessenden Marathon im Bereich von 3h15min zu laufen, ist aus meinem Kopf gestrichen. Es gilt nun Schadensbegrenzung zu betreiben und in den ‘Standby-Modus’ (Laufgeschwindigkeit) zu wechseln. Eine Nahrungsaufnahme ist aufgrund der Magenkrämpfe ab dem 5. Kilometer nicht mehr möglich. Ich kann nur noch Wasser aufnehmen. Die 42.195 km ziehen sich endlos über den Energy Lab und in der prallen Sonne scheinen die langen Geraden über die Wellen des Queen-K Highway endlos.

Nach 9h57min glücklich und froh im Ziel am Pier in Kona
Mein angestrebtes Ziel, den Ironman Hawaii in einer Endzeit von 9h30min zu finishen, muss ich begraben. Ein Blick auf die Uhr zeigt aber, dass sub 10 Stunden immer noch machbar sind. Nach 9h57min erreiche ich schliesslich als Rookie (erste Teilnahme am Ironman Hawaii) die Ziellinie am Pier in Kona. Das ergibt Platz 71 in der AK 40-45 was gleichzeitig eine Platzierung im ersten Viertel bedeutet.
Im Ziel war ich bis zu diesem Zeitpunkt im Wechselbad der Gefühle. Auf der einen Seite bin ich glücklich und froh die Ziellinie erreicht zu haben. Auf der anderen Seite bin ich enttäuscht, dass ich aufgrund der Magenkämpfe auf der Marathon- strecke nicht das volle Leistungspotenzial abrufen konnte. Ich bin mir bewusst, dass ein Langdistanz-Wettkampf, wie es ein Ironman sicher ist, immer auch eine Gratwanderung zwischen Durchkommen und Aufgeben ist.
Nach meiner IRONMAN Hawaii - Qualifikation auf Lanzarote im Mai 2010 (mein erster IRONMAN überhaupt!) war die World Championship auf Hawaii mein zweiter Ironman-Wettkampf.
Marcel Knaus