Karges, einsames Land, Sand, wohin das Auge reicht. Heiße Tage, kalte Nächte, Stürme, die Sicht unmöglich machen. Die Wüste übt eine starke Faszination auf Marcus Rasen aus. Der Physiotherapeut aus Kressbronn am Bodensee hat sie auf verschiedener Weise durchquert, mit Auto, Motorrad, Fahrrad und auf dem Kamel. Die Abenteuerlust des 52-Jährigen ist ungebrochen, sonst hätte er sich nicht auf ein Abenteuer eingelassen, das seine bisherigen Touren in den Schatten stellt.
Herr Rasen hat an einem Marsch durch das Sandmeer von Mourzouk im libyschen Teil der Sahara teilgenommen. Zuletzt wurde der Mourzouk im Jahr 1996 von einer französischen Forschergruppe durchlaufen. Dabei handelte es sich erst um die dritte Expedition im 20. Jahrhundert, die Menschen in das rund 270 Kilometer lange Wüstenstück unternommen haben. Alle Karawanenrouten und Sklavenhändler hatten immer einen Bogen um das Mourzouk gemacht. Das Kartenmaterial ist deshalb auch dürftig, Aufnahmen von Google-Earth haben Rasen und seinen Kollegen deshalb als Orientierung gedient. Dass sich der Wüstentrip von den bisherigen Aufenthalten unterscheiden würde, ist ihm schnell klar geworden: „Wir mussten den Organisatoren unterschreiben, dass wir auf eigenes Risiko mitmachen.“
Der Grund für die allgemeine Scheu vor dem Sahara-Abschnitt liegt in den außergewöhnlich hohen Dünen, die eine Wanderung erheblich erschweren. Außerdem: In dem Gebiet gibt es keinen Brunnen, einen Marsch müssen die Teilnehmer mit Wasservorräten bewältigen. Südlich der Oase Tesawa sind die Wüstenwanderer aufgebrochen. Neben Marcus Rasen gehören 13 weitere Abenteuerlustige, vier Tuaregs und ein libyscher Polizeibeamter zur Gruppe, die den Mourzouk durchqueren will. Insgesamt 1700 Liter Wasser schleppen die zahlreichen Kamele neben der Ausrüstung mit. Die Flüssigkeit muss 15 bis 17 Tage reichen, 4,6 Liter am Tag sind für jeden Teilnehmer vorgesehen. Auch die andere Nahrung ist auf die unwirtlichen Bedingungen ausgerichtet: Obst gibt’s die ersten Tage, später gefriergetrocknetes Essen, Snacks und Peronin High Tech Food, das Bergsteiger wie Reinhold Messner verwenden. Hohe Sanddünnen und Temperaturen halten das Tempo niedrig, höchstens sechs Stunden am Tag bewegt sich die Karawane durch die Wüste. Aber nicht nur die Menschen stoßen auf Hindernisse. Mit Händen, Füßen und Schaufeln müssen die Teilnehmer Spuren für die Kamele legen, damit die Tiere mit ihren langen Beinen Halt finden.
Der Schech – ein meterlanges Kopftuch – schützt die Köpfe der Wanderer vor der gefährlichen Sonneneinstrahlung. Ein besonderes Kleidungsstück hat nur Marcus Rasen dabei. Er durchquert die Wüste von Mourzouk mit SIGVARIS-Sport Kompressionsstrümpfen. Es ist die richtige Entscheidung: „Sie sind echt super, weil sie keinen Sand durchgelassen haben.“ Nach den üblichen Anfangsproblemen startet der Physiotherapeut durch und bewältigt mit den anderen eine Etappe nach der anderen. Die Expedition ist eine Gruppe, Handgriffe müssen sitzen, wenn alle gemeinsam das Lager aufbauen. Doch Rasen macht keinen Hehl daraus: „Wir sind 14 Einzelkämpfer.“ Abends kuschelt sich jeder in den Schlafsack nach den heißen Märschen des Tages, der Blick ist nach oben gerichtet zum Sternenhimmel. Irgendwann fallen die Augen zu bis zum nächsten Erwachen. Der neue Tag wartet, die Anstrengung auch. Nach 15 Tagen ist es geschafft, die Wüstengänger kehren in die Zivilisation zurück. Blühende Landschaften statt gelber Wüstenmeere.
Eine Diashow mit Bildern zur Wüstentour von Herrn Rasen und Herrn Jerome Blösser (dem Organisator der Wüstenwanderung) finden Sie hier.